Montag, 9. November 2015

09. November 1989, 09. November 1938: Quo vadis, Europa? Freiheit oder Hass?




Als in der Nacht des 9. November 1989, exakt vor 26 Jahren, die Grenzpolizei der DDR den Druck der tausenden Ausreisewilligen nachgab und die Tore öffnete, beendete dieser Schritt das „kurze 20. Jahrhundert“, wie der Historiker Eric Hobsbawm die Zeit von 1914 bis 1989 formulierte. Jubelende Menschen, die tanzend im einstigen Todesstreifen stehen und die Nacht zum Tag machten: Die Bilder von 1989 wirken bis heute nach. Dennoch erinnert sich 26 Jahre danach im allgemeinen Diskurs kaum wer an dieses wichtige Ereignis für Europa. Vielleicht liegt es daran, dass dieses Europa derzeit gerade selbst am Mauer bauen ist. Auch dem zweiten, wichtigen Gedenktag wird dieses Jahr wenig Aufmerksamkeit gewidmet: Am 09. November 1938, vor 77 Jahren, begann die systematische Vernichtung der Juden in Europa durch die November-Pogrome. Das Europa des Jahres 2015 verkauft seine eigenen Werte und ist 1938 erschreckend nahe, näher auf jeden Fall als 1989. 

Europa – allein in diesem Wort schweben viele Assoziationen mit dem Wort „Freiheit“ mit. Hier fand die Französische Revolution statt, hier fielen die Berliner Mauer und der gesamte Eiserne Vorhang zusammen. Europa – das bedeutet jedoch auch viel Leid, was vor allem im 20. Jahrhundert über die ganze Welt gebracht wurde – der Erste und der Zweite Weltkrieg gingen von diesem Kontinent aus. Ganz so schien es, als habe dieses Europa sich eher der Freiheit als dem Leid zugewendet – zumindest für viele Jahrzehnte. Nach 1989 erfolge in rasendem Tempo die Wiedervereinigung Europas unter Federführung der Europäischen Union. Die Kernidee der EU und ihrer Gründerväter – Nie wieder Krieg! – wird zwar heute von vielen als „Schönwettergerede“ abgetan, verhinderte innerhalb der EU jedoch bislang jegliche Form von militärischer Auseinandersetzung zwischen Mitgliedsstaaten. Die Botschaft war klar: So etwas wie der Zweite Weltkrieg und eben auch am 09. November 1938 sollte in Europa nicht mehr passieren. 

Diese Grundidee wurde in den nächsten 20 Jahren in rasend schnellen Tempo um zahlreiche Aspekte erweitert – von der Gemeinschaftswährung bis zur endgültigen Abschaffung der Binnengrenzen reicht die Palette, die Ost und West  in den vergangenen Jahren zusammenbrachte. 

Doch dann kam 2015. Das Jahr der Flüchtlinge. Es zeigte sich, dass das Projekt EU nur solange gut funktionierte, so lang es keine Probleme gab. Diese „Schönwetter“-EU schaut der Flüchtlingskrise etwas ohnmächtig entgegen und nur langsam kommt Bewegung in die Verhandlungen. Doch die EU ist nicht mehr die, die es am 01. Januar 2015 war. Das Schengener Abkommen – eines der Herzstücke der Europäischen Union – ist quasi außer Kraft gesetzt und es ist auch kein Ende für diese Ausnahmesituation in Sicht. Ost und West haben sich wieder deutlich voneinander entfernt. Die osteuropäischen Länder weigern sich Flüchtlinge aufzunehmen. Nicht betroffene Länder halten sich formidabel aus der Angelegenheit heraus. In Ungarn errichtet Orban einen „Eisernen Vorhang 2.0“ und in ganz Europa schießen Parteien aus dem Boden, die eine „einfache, schnelle Lösung“ fordern. Hier sind wir wieder beim 09. November 1938 – damals stürzten scheinbar „einfache und schnelle Lösungen“ den Kontinent in das wohl dunkelste Kapitel seiner Geschichte. Hass und Brutalität angefacht durch eine autoritäre Regierung sorgten für Millionen Tote weltweit.

Natürlich kann man argumentieren, dass Europa heute meilenweit davon entfernt sei. Doch auch wenn wir noch weit entfernt sind von 1938 gibt es genug Tendenzen, die erschreckende Parallelen zu den 1930er Jahre aufweisen: Ob es die vermeintliche „Lügenpresse“ sei oder die Hasskommentare in sozialen Netzwerken oder „bedauerliche Einzelfälle“ antisemitischer Äußerungen bei einer bestimmten Partei. Oder die Sympathie breiter Bevölkerungsschichten mit autoritären Regierungen wie Orban oder Putin - ausgelöst durch einen tiefen Vertrauensbruch mit den „etablierten Regierungen“. Es sind deutliche Zeichen, die man nicht übersehen darf oder als „Schwarzmalerei“ abtun darf.

Parallel zum Abdriften der Bevölkerung hin zu „einfachen und autoritären“ Lösungen findet derzeit ein Ausverkauf der europäischen Werte – eben vor allem der Freiheit - statt. An 1989 denkt heute lieber niemand der Spitzenpolitiker – es würde einen wohl sauer aufstoßen, dass man 26 Jahre nach dem Öffnen der Berliner Mauer wieder Zäune als wirksames Mittel sieht, Migrationsströme von Menschen zu unterbinden. Innenministerin Mickl-Leitner findet „einen Zaun nichts Schlechtes“ und will auch weiterhin an der „Festung Europa“ bauen lassen. 

Ungarns Orban hat vergessen, dass sein Land 1989 einen wichtigen Impuls zum Abbau jenes Zaunes gesetzt hat, der seine Landsleute jahrzehntelang hermetisch vom „Klassenfeind“ abriegelte – mit Schießbefehlen, Minen und dutzenden Toten. Vergessen das Paneuropäische Picknick an der burgenländisch-ungarischen Grenze, wo tausende DDR-Bürger ihren Regime „Good Bye“ sagten. Stattdessen kann sich Heinz Christian Strache vorstellen, dass es auch einen Schießbefehl geben könnte. Orban lässt bei einem „illegalen Grenzübertritt“ die Leute zumindest festnehmen – schießen lassen will er (noch) nicht. 

Freiheit, Grenzenlosigkeit – diese zentralen Eckpfeiler Europas werden derzeit wie im Abverkauf angeboten. Europa verkauft die Werte, die es jahrelang so in die Höhe gehoben hat. Der in der Geschichte einmalige Zusammenschluss von souveränen Staaten zu einer supranationalen Ebene, der sie freiwillig Macht abgeben – zur Erhaltung des Friedens und zur Erhöhung von wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Chancen und Möglichkeiten – funktioniert derzeit so gut wie gar nicht. Und obwohl Tag aus, Tag ein der Hass wächst und Europa immer mehr abdriftet in seine dunkle Vergangenheit, tut sich einfach nichts. Ein Gipfeltreffen jagt das nächste ohne dass es wesentlich zu handfesten Verhandlungsergebnissen kommt. 

Es steht schon schlimm um Europa, aber es ist jetzt an der Zeit einerseits wieder zu den Werten zu stehen, die von der Französischen Revolution und im Jahre 1989 in Ostmitteleuropa von Europa in die Welt geschickt wurden und anderseits endlich  nach dem Solidaritätsprinzip, dem alle Staaten bei Unterzeichnung des EU-Beitrittsvertrages zugestimmte haben, zusammenzuarbeiten. Die junge Generation, die mit der EU aufgewachsen ist und nur diese kennt, verdient es, dass an diesem einzigartigen Projekt der Weltgeschichte weitergearbeitet wird – trotz Konstruktionsfehler. Vor allem muss die grenzüberschreitende Flüchtlingskrise gemeinsam gelöst werden - Egoismus und Nationalismus dürfen nicht nachgegeben werden und entsprechend europäischen Werten sollte eine vernünftige Lösung für alle Mitgliedsstaaten gefunden werden. Noch viel schwieriger wird es werden die breite europäische Masse wieder für die EU und für Rechtsstaatlichkeit zu begeistern und sie vom - vermeintlich einfacheren - autoritären Weg wieder wegzubringen. 

Es steht sehr schlecht um Europa, aber es gibt kaum einen anderen Weg für diesen Kontinent. Die Überalterung schreitet fort, Innovationen kommen oft mehr aus den aufstrebenden Schwellenländern statt aus Europa und die „alte Dame“ leidet erst recht unter der Uneinigkeit ihrer vielen Länder. Schafft Europa nicht sich zusammenzuraufen, wird dieser „Wollknäuel“ vielleicht bald die Peripherie der Welt darstellen. 

Europa, das ist das Europa der zwei Weltkriege, des Hasses, des Nationalismus und des Genozides, aber Europa, das ist auch das Europa der Freiheit und der Demokratie. Wir sollten versuchen wieder den Weg zurück zu 1989 statt zu 1938 zu finden und der Welt ein Beispiel für Demokratie und Freiheit sein: „Wir schaffen das“

Samstag, 14. März 2015

La Musica - 883 e l'Italia






 "In jeder Reise finde eine Geschichte und wenn du heim kommst, dann erzähle sie" - Max Pezzali in "Fai Come ti Pare", 2004 

La Musica - 883 e l'Italia 

Musik und Erinnerungen

Es gibt auf dieser Welt so viel Musikgeschmäcker wie es Menschen gibt. So individuell wie jeder Mensch ist, so individuell auch sein Musikgeschmack. Ein Song, ein Lied  - egal welches Genre, welcher Stil, welches Land und welche Epoche – es repräsentiert immer Kultur. Wohl jeder von uns hat einen Song, mit dem er etwas verbindet:  Die erste Liebe, der erste Urlaub, die Jugend im Allgemeinen. Und schnell entwickelt jeder von uns eine individuelle Interpretation dessen, was der Künstler ursprünglich aussagen wollte. 
Es entsteht eine Geschichte hinter einem Song, eine Abfolge von Erlebnissen, Erinnerungen und Eindrücken, die in diesem Song für immer gespeichert werden und uns alle auf diese besondere Szene unserer Vergangenheit immer erinnern werden. Hören wir dann irgendwo in einem Moment, wo wir nie damit gerechnet hätten, plötzlich dieses Lied, dann kommen einen die Erinnerungen, ja oft sogar noch Emotionen und Gerüche in den Kopf. Musik macht somit Vergangenheit lebendig und mithilfe von Musiktiteln können wir uns an die Schönsten Geschichten unserer Vergangenheit für immer und ewig erinnern. 


Bei mir sind diese Erinnerungen an bestimmte Situationen sehr stark ausgeprägt. Manch Freund hat mir schon oft gesagt: „Wow, an was alles du dich erinnern kannst!“ in Bezug darauf, wenn irgendwo wieder ein Song ertönt, den ich längere Zeit nicht gehört habe. Zu fast jeden Song, der mir im Laufe der Zeit gefallen hat, merke ich mir eine Verbindung, oft auch ganz banale Situationen werden unbewusst abgespeichert, etwa eine bestimmte Periode, in der man täglich zur selben Zeit zur Schule/UNI gehen musste. Besonders in Erinnerung jedoch bleiben Titel, die an ein besonderes Ereignis gebunden sind, wie etwa Silvester, Geburtstag, Urlaube usw. Wie bereits beschrieben erwecken sie vergangene Situationen zum Leben und konservieren die Erinnerung so für immer. Musik dient also zur Verstärkung der Erinnerung an schöne Momente der Vergangenheit. 

Von den Ursprüngen der Italien-Liebe


Mein Musikgeschmack, meine Genres an Musik haben sich bisher häufig in meinem Leben geändert. Sowie der Mensch allgemein eine gewisse Entwicklung durchläuft, so gibt es auch eine „Evolution“ des musikalischen Geschmackes. Die einzige Konstante in dieser ständigen Veränderung ist dabei Italienische Musik. Auf Italienisch klang Musik immer schon besonders schön, schon als ich ein kleines Kind war und von Italienisch eigentlich noch keine Ahnung hatte. Doch die erste Musik, die ich bewusst gehört hatte, war eben die Italienische. Sie zieht sich – genauso wie meine Liebe zu Italien – wie ein roter Faden durch mein Leben. 

"La Dolce Vita" - Das Lignano meiner Kindheit



Doch wo begann diese Passion? Was waren die Auslöser? Aus der heutigen Sicht ist das für mich selbst schwer zu beantworten. Die Frage, woher meine Liebe zur italienischen Musik kam deckt sich daher auch mit der Frage woher die Liebe zum Land selbst kommt. 


Begonnen hat es sicherlich irgendwann 1994 oder 1995 in Lignano Sabbiadoro, wo meine Großmutter eine Ferienwohnung hatte. Heute meide ich diesen Ort des Massentourismus eher, doch als Kind ist es schlichtweg ein Paradies. Unbewusst noch sog ich das unbeschwerte und leichte „Dolce Vita“ eines Urlaubsortes in mich auf und setzte damals damit Italien gleich. Als Kind bestand Italien aus Lignano. Es war der Inbegriff des Schönen Lebens, der Höhepunkt des Jahres, auf den ich mich schon im Mai freute und es nicht mehr abwarten konnte, endlich wieder am Meer zu sein. 


Vom Pizza essen am Strand beim Sonnenuntergang über das Einkaufen von frischem Prosciutto cotto beim kleinen Händler ums Eck, den betörenden Duft von frischen Obst aus Sizilien gemischt mit der salzigen Luft, die aus der Lagune, die Lignano umgibt kam – das alles repräsentierte für mich das Perfekte Leben. 2 bis 3 Wochen verbrachte ich jedes Jahr in diesem Ort fern ab jeglicher Probleme

Dazu kamen Feiern mit Bekannten auf der großen Terrasse, ein gemütliches Essen für die Erwachsenen und Lang Aufbleiben für uns Kinder, umgeben von der lauen Mittelmeerluft, vermischt mit den Geruch von Pinienbäumen und dem nahen Meer. Fahrten mit den Treträdern, die man überall mieten könnte. Pizza essen am Abend im Freien mit Blick auf das Meer, der weite, golbraune Sandstrand und Spielhallen. 

Diese Urlaube in der Kindheit waren prägend für mein weiteres Leben, sie waren gewissermaßen die Grundlage für eine Liebe zu einem Land, die bis heute ununterbrochen anhält. 

Unvergessliche Jahre mit "883"


Verbunden mit all diesen Erinnerungen ist die Musik dieser Jahre. Klarerweise nicht unbedingt primär die Musik der Jahre 1994-1998, jedoch vor allem jene der Jahre 1998 bis 2005. Es war die Zeit des Italodance aber auch die Zeit, in der vor allem in Österreich auch Interpreten wie Nek aber auch 883 bekannt waren. 883 und hier vor allem der Frontman Max Pezzali ist für mich gewissermaßen sowas wie meine Lieblingsband bzw. Lieblingsinterpret. 


883 war eine Band, die vor allem von der einzigartigen Stimme von Max Pezzali lebte. Die Band aus Pavia war die bedeutendste italienische Band der 1990er Jahre und prägte die italienische Musik jener Zeit wie kaum eine andere. Obwohl ich damals kaum Italienisch sprach repräsentierten sie für mich damals Italien. 


War der Urlaub zu Ende, wenn es wieder hieß, nach Österreich zurückzukehren, dann waren sie es, die mich auf all die schönen Momente zurückdenken ließen, die quasi den Urlaub verlängerten. 

Max Pezzali - einer der Ganz Großen der Italienischen Musik



Meine erste CD, die ich mit 6 Jahren erhielt im Jahre 2000 erhielt, war eine italienische Sampler-CD „La vita è musica“, die zahlreiche Songs des Jahres erhielt. Titel 1 war „Viaggio al Centro del Mondo“ von 883 vom Album „Grazie Mille“.  Dieses Lied repräsentierte für mich bereits damals im zarten Alter von nur 6 Jahren das Jahr 2000 und  wieder den Urlaub im Badeorte Lignano. Wenn ich den Song auf Hitradio Ö3 hörte – zu dieser Zeit noch anhörbar – gab es kein Halten mehr – es war DER Lieblingssong damals. 


Es folgte eine Phase, die einige Jahre anhielt, in der ich nur italienische Musik hörte. Es folgten CDs von 883, Nek oder eine Sampler-CD namens „Nella Notte“, die auch zahlreiche Italodance-Songs enthielt, die damals zum „Mainstream“ jener Zeit gehörten. Musik rund um das Jahr 2000, das war für mich gleichgesetzt mit Musik aus Italien und da vor allem mit jener von 883. 


Die Band aus der Lombardei kombinierte vor allem in jener Zeit Elemente des Dance/Electrostiles mit anspruchsvollen Texten – was ich damals natürlich noch nicht wusste, toll fand ich die Musik nichtsdestotrotz bereits damals. Heute, mit guten Italienischkenntnissen, verstehe ich erst die genialen Texte, die unterschiedliche Lebensbereiche abdecken, teilweise ganze Geschichten enthalten und einfach nur großartig gelungen sind. 


So handelt der Song „Grazie Mille“ vom gleichnamigen Album etwa von der Dankbarkeit, die man dem Leben entgegen bringen soll. „Senza Averti Qui“ erzählt in einem Song die Geschichte von einigen jungen Leuten und ihre Wünsche, Träume und Ziele. „Tutto ciò che ho“ erzählt von der Erkenntnis, dass man letztendlich das ist, was man ist und nicht anderen Nacheifern soll, sondern einfach so sein soll, wie man ist. „Nella Notte“ beschreibt das Partyleben in einer typischen italienischen Stadt, wie es sich allwöchentlich wiederholt. Das Album „Grazie Mille“ aus dem Jahre 2000 stellt für mich bezogen auf die Vielseitigkeit und der Tiefgründigkeit der Texte sicherlich das Meisterwerk von 883 dar. 


Ihre größten Erfolge hatten 883 jedoch bereits früher, in den 1990ern. Songs wie „Sei un Mito“ oder „Nord Sud Ovest Est“ sind unvergessene Klassiker der italienischen Musikgeschichte geworden, die auch den Weg weg von Klassikern (die vor allem auf deutschsprachigen Schlagerradioprogrammen sehr oft noch gespielt werden) wie Al Bano Carrisi, Toto Cutugno usw. hin zu einer „neuen, modernen Generation“ italienischer Musik, die etwa  von Interpreten wie  Nek, Anna Oxa, Laura Pausini oder Tiziano Ferro gestellt wurde, bereiteten. Außerdem passten sich 883 öfter den aktuellen Musikstil an und deckten viele unterschiedliche Genres ab, die sie im Laufe der Bandgeschichte oftmals änderten.

"Grazie Mille" - das "Meisterwerk" von 883 aus dem Jahre 2000


Unvergessen für die italienische Musikgeschichte sind auch Songs wie „Gli Anni“ aus dem Jahre 1996. Was als kleine Schulband am Gymnasium in Pavia began, endete als eine der Größten und Wichtigsten Bands der 1990er und frühen 2000er Italiens.  Nach dem großen Erfolg des Albums "Nord Sud Ovest Est" aus dem Jahre 1993 begann der steile Aufstieg von 883. Es folgten zahlreiche Alben wie etwa  "La donna & il grande incubo" (1995-1996), "Gli Anni" 1998 oder "Grazie Mille" 2000. 2001 folgte noch das Album "Uno in Più" ehe sich die Band 2003 auflöste. 

Angemerkt sei noch, dass Max Pezzali auch nach dem Ende von 883 als Solokünstler sehr erfolgreich blieb. 


883 prägten mit ihrer Musik gewissermaßen meine Kindheit. Auch abseits des „Wonderlands“ Lignano erinnern mich die Songs von 883 an viele schöne Erinnerungen. Von der unendlichen Freiheit der Kindheit, von Geburtstagsfeiern (auch gut dargestellt im Song „Uno in più) in der Volksschule über das Spielen im Wald mit meinem damaligen Nachbar im Sommer bis zu Ausflügen in die Steiermark und natürlich eben der unvergessliche Höhepunkt jedes Jahr – die Fahrt ans Meer nach Lignano.  Neben 883 erinnern mich vor allem die Songs von Nek („Ci Sei Tu“, „La Vita è“) oder Tiziano Ferro („Perdono“) an diese Zeit. 




883/Max Pezzali Persönliches „Best of“ 


Hier folgen nun die für mich persönlich Wichtigsten Songs von 883 bzw Max Pezzali vom Beginn der 1990er Jahre bis zur heutigen Zeit, die die vielen unterschiedlichen Genres von 883 und damit die Bandentwicklung gut aufzeigen.

Viaggio al Centro del Mondo (1999/2000)

Wie oben bereits beschrieben repräsentiert dieser Song für mich das Jahr 2000. Es ist gewissermaßen auch einer der ersten Songs, mit denen ich diese Band überhaupt entdeckt habe. „Viaggio al Centro del Mondo“ ist ein flotter Sommersong, der vom Leben in einer turbulenten Großstadt erzählt, von einer Stadt, die niemals schläft.

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=z8K51g0W4JE


Come Mai (1992)

Der Song ist 1992 erschienen, also zu einer Zeit, wo ich nicht mal auf der Welt war. Doch der Text in Kombination mit der Melodie, die bereits leicht elektronisch angehaucht ist, macht diesen Song zu etwas ganz Besonderem, auch wenn er sehr melancholisch gehalten ist. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ThGCZN1HPbE


Fai Come ti pare (2004)

„Mach was du willst!“ lautet der Titel dieses Songs. Für mich ist es wohl das Lied, dass inhaltlich am Meisten mein Leben beschreibt. Im Text heißt es wörtlich: „ lerne alle Sprachen, die du lernen kannst…“ oder „Auf jeder Reise finde eine Geschichte, die du dann, wenn du zurück nach Hause kehrst, erzählen kannst“. Der Song beschreibt eine Lebenseinstellung, nämlich die, seine Träume zu verwirklichen und sich nicht aufhalten zu lassen. 

Lo Strano Percorso (2004)

„Der seltsame Lebensweg von jedem von unserem, die nicht mal ein großer Film oder ein großes Buch nie beschreiben könnte“ lautet der Refrain dieses Meisterwerkes von Max Pezzali. Dieser Song ist sehr positiv gehalten und motiviert weiter seinen persönlichen, eigenen Lebensweg weiterzugehen.

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=u_9JA70bAz8


La Regola dell’amico (1997)

Hier wird bereits viel mit elektronischen Effekten gearbeitet, die dann vor allem im Album „Grazie Mille“ zum Ausdruck kommen. Zusätzlich zum tollen Sound kommt ein sehr wahrer Text: Ist man mit einer Frau sehr gut befreundet, kommt es wohl sehr schwer zu einer ernsthaften Beziehung. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=V3aBTgcE_bE


La Regina del Celebrità (Eiffel 65 Remix) (1999)

Zwei Jugendliche, die das erste mal eine Disco besuchen und eine bezaubernde Dame sehen. Sie ist die „Königin des Ruhmes“ und nichts wünschen sich diese Halbwüchsigen mehr, als mit jener „Königin“ zu spreche und zu tanzen Die Geschichte und wie es weiter geht, darüber handelt dieser Song aus dem Jahre 1999. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=39OEQHoYIB4

Tutto ciò che ho (1999)
 "Alles was ich habe" lautet dieser Titel, der ähnlich wie Grazie Mille sehr positiv gestimmt ist. Sei wie du bist und versuche nicht jemand anderes zu sein, stehe zu deinen Fehlern und Schwächen und lebe dein Leben!  

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=6RGgwZIHJEE


Grazie Mille (Benevento 2000 Remix)

„Vielen Dank für alles, das was wir haben“ – so könnte man den Inhalt dieses Songs kurz und knapp zusammenfassen. „Für jeden Tag, für jeden Augenblick, den ich leben darf- Vielen Dank“ lautet ein Ausschnitt auf Deutsch dieses motivierenden Titels, der uns zum Nachdenken anregen soll, dass wir eigentlich doch ein schönes Leben haben. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=KvS_BVda9ww


Almeno una volta (2000)

Sehr dancelastig ist dieser Song geworden und genau das macht ihn aus. Jedoch ist dieser Song sehr nostalgisch geworden und handelt vom  Bereuen von falschen Entscheidungen. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=-Wha2vTLOAc


Un Giorno Così (1998)

Ein Song, der Mut macht, weiterzumachen, wenn man mal ein Tief hat! „Ein solcher Tag reicht aus, um 30 Sch.. Tage zu vergessen!“ lautet in etwa die Übersetzung des Refrains und spricht vor allem davon, dass es oft kleine Gesten sind, die uns bewusst machen, dass nichts so schlimm ist, wie es am ersten Blick erscheint. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=68c5FWEmoN8


La lunga estate caldissima (2001)

2001 erscheint mit dem Album „Uno in più“ eine sehr elektronische Auslegung der Musik von 883. „Die lange heiße Nacht des Sommers“ beschreibt wie kaum ein anderer Song das Leben in italienischen Badeorten, von Lignano im Norden über Jesolo, Rimini bis nach Apulien. Von vollen Restaurants, vom Wiederwachen nach dem kalten und unwirtlichen Winter, von der grenzenlosen Freiheit des Sommers handelt dieser Song aus der Spätphase der 883. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Wuz9dVq8VQ0


Uno in più (2001)

„Eins mehr“ lautet der Titel, wie auch der des gleichnamigen Albums. Schon wieder ein Jahr älter! Ja, er handelt genau davon, was viele von uns denken – es ändert sich eh nichts mehr, man bleibt eh gleich. 883 vergleicht dann diese Stimmung von heute mit jener von früher, der Kindergeburtstagsfeiern, wo dieser Tag etwas ganz Besonderes für die ganze Familie mit all unseren Freuden war. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=vtXXmIl7-Ws


L’universo tranne noi (2013)

Verhältnismäßig jung ist dieser Song aus der Solozeit von Max Pezzali. Er erzählt über das „Universum zwischen uns“ von einer großen Liebe zweier Menschen, die sich jedoch nie mehr begegnen können. Das sehr sehenswerte Video wurde in Verona gedreht – der Stadt der von Romeo & Julia – und zeigt all die Facetten von Max Pezzali auf, der zu Recht als einer der größten der italienischen Musik bezeichnet werden darf. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=iNTdgyLTS8E

Sei un Mito (1993)

Ein Meisterwerk von 883 aus der Anfangszeit der Band. "Du bist ein Mythus!" lautet dieser Titel, der eine der Wichtigsten Titel von 883 wurde. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=a1SDoK92FwM

Tieni il Tempo (1993)

Noch ein Song aus der Anfangszeit der Band, der das Partyleben sehr gut erzählt. Persönlich erinnert er mich - obwohl damals bereits ca. 10 Jahre alt - an die Jahre um 2002/2003. 

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=r7KvbT5ymaw




883 und Italien


Nicht nur die vielen unterschiedlichen Richtungen – Pop, Rock, Dance, Ballade – die 883 und Max Pezzali in ihrer Entwicklung durchprobiert haben, sprechen für die Bedeutung dieser Band, nein sie zeigen auch ein breites Stück italienischer Musikgeschichte - und damit auch der italienischen Gesellschaft im Allgemeinen – der  letzten 20 Jahre. 


Meine Welt ist größer geworden, Lignano sehe ich heute sehr zwiespältig. Da sind auf der einen Seite all diese schönen Erinnerungen an die Kindheit und auf der anderen Seite steht dem der Massentourismus der 1970er und 1980er Jahren gegenüber, der im Laufe der Zeit immer mehr und mehr verblasst, was sich nicht nur durch die Bausubstanz bemerkbar macht. Italien 2015 bedeutet für mich wie der Blick auf Lignano etwas anders, als es 2000 für mich darstellte. Es ist eine differenziertere Betrachtungsweise. 


Als Student und als zeitweiliger Bewohner dieses Landes erhält man auch einen Einblick in die negativen Seiten dieses Landes: Wirtschaftlicher Stillstand, die Mafia, Korruption, aufgeblähte Bürokratie, sonderbare Politiker und ein zu wenig an Innovation. Nicht mehr nur Lignano ist heute „mein Italien“, nein, es ist breiter und vielsichtiger geworden dieses Italien. Von den Weinbergen in Südtirol über das Friaul, wo ich mich bestens auskenne bis nach Bari reichen meine Erfahrungen mit diesem Land. 


Nicht alles ist Gold was glänzt, auch nicht in Italien, doch es reichen wenige Tage in diesem Land, um die alte Verbundenheit, die in Lignano der späten 90er Jahre geboren wurde, wieder aufzufrischen. Ein Gang durch mittelalterliche und fast schon märchenhaft verwunschene Stadtzentren wie Bergamo oder Bologna, ein gutes Essen oder ein interessantes Gespräch mit dem Barbesitzer in Udine oder dem Portier in Rom und das Bewusstsein, dass man in einem Land mit tausendjähriger Geschichte ist, reichen aus, um mir wieder bewusst zu machen, was genau ich an diesem Land so schätze: Es ist der Genuss, die Gabe aus dem einfachen Moment etwas Besonders zu schaffen und das Leben einfach zu genießen. 

Roma



Italien ist mehr als Sonne, Strand und Meer -  es ist eine Art zu Leben und die Vielfältigkeit dieser Lebensart spiegelt sich am Besten in der Musik wider. 


Neben individuellen Erinnerungen an die Kindheit haben 883 und Max Pezzali Italiens Musikwelt nachhaltig geprägt und umgekehrt auch mich. Sie sind sozusagen auch „Schuld“ an meiner Verbundenheit zu diesem Land, an der Liebe zur italienischen Sprache, Küche und Landschaft. Sie waren es, die damals vor über 15 Jahren den Grundstein gelegt haben für diese „Beziehung“ zu diesem besonderen Fleckchen Erde. 


Und wie im Leben auch sind nicht alle Titel von 883 reine Gute-Laune-Lieder, manche regen zum Nachdenken an, manche motivieren einem, wenn man am Boden liegt und manche wieder beschreiben besonders schöne Momente unseres Lebens. Vielseitig wie die Musik von 883 ist auch Italien und wartet nur darauf entdeckt werden! 

I più grandi - 3 Songs 

Grazie Mille (2000)



Fai Come ti Pare (2004)



Come Mai (1992/93)