„Sauber ist
es hier geworden!“, sagt ein italienischer Freund von mir als wir uns hier
Anfang September treffen. Er angereist aus Norditalien und ich gerade erst mit
den Nachtzug aus dem hohen Norden angekommen. Und, ja er hat Recht, Rom, die
italienische Hauptstadt ist jeden Tag aufs Neue herausgeputzt und darf sich
damit rühmen die Auszeichnung „Meine Lieblingsstadt“ innezuhaben.
| Ankunft in Rom! - Jedes Mal aufs Neue Spannend! |
Die Tür des
Zuges öffnet sich ganz langsam. Vorsichtig verlasse ich den Zug und komme an in
Rom. Dieses „Ankommen“ ist ein Ritual, jedes Mal aufs Neue einmalig. Nach einer
Nacht mit wenig Schlaf aber umso mehr Lärm, öffnet sich diese Tür und es
scheint fast als sei es die Tür in eine andere Welt. Ein Schwall warmer,
intensiver Luft strömt mir entgegen, so anders als ich sie kenne vom jetzt so
fernen Südösterreich. Es ist nicht das erste Mal das ich diese Erfahrung mache,
mehrmals schon durfte ich diesen ersten „Geruch“ von Rom einatmen. Seit meinem ersten
Besuch in der Ewigen Stadt sind nun schon 4 Jahre vergangen und auch dieses Mal
ist es Sommer. Die Hitze des Sommers, die sich in den Palazzi, Plätzen und
Straßen der Stadt speichert strömt einen entgegen. Dieser Geruch nach Sommer,
der Geruch nach Rom, er ist einmalig und für mich das Zeichen das ich nun
wieder „zuhause“ angekommen bin in meiner Stadt.
Beladen mit
Gepäck geht es begleitet von den Durchsagen der an- und abfahrenden Züge, die
aus den Lautsprechern dröhnen in die Bahnhofshalle, wo sich nun eine weitere
Duftnote unter die warme Mittelmeerluft mischt: Der Duft nach frischem Kaffee,
frischem Prosciutto-Panini, der Duft von frischgedruckten Zeitungen. Als wäre
es nicht schon genug schreite ich nun den langen Gang am Termini-Bahnhof
entlang, trete ins Freie hinaus und die warme Sommersonne erfasst mich mit
voller Wucht. Die Stadt lebt, altvertraut und trotzdem wunderschön liegt sie
vor einen. Die altehrwürdigen Häuser rund um Termini glitzern in der Sonne, die
Taxifahrer warten wie immer auf zahlungskräftige Kundschaft, der römische
Verkehr braust unaufhaltsam über die Kopfsteinstraßen, die fast das ganze
„Centro Storico“ bedecken.
| Zentrum der Welt für Jahrhunderte: In der Nähe des Foro Romano |
Sauber ist
es auch im Untergrund geworden: Die Endlos-Baustelle „Metro-Station Termini“
ist fertiggestellt und strahlt im neuen Glanz. Modern und zeitgemäß ist die
frequenzstärkste Metrostation Roms nun. Von hier fahren die wichtigsten
römischen U-Bahnen A und B (mehr gibt es wegen des geschichtsvollen Untergrunds
und der Schwierigkeit zwischen den ganzen Römersteinen neue Linien zu bauen,
derzeit nicht), in alle oder zumindest einige Stadtteile Roms. Die Metro ist
wieder so etwas, was man von Rom wohl kaum erwarten würde: Präzise und
pünktlich Tag für Tag fährt sie im 3-Minuten-Takt in den Stationen ein. So
nehme ich auch dieses Mal die Metrolinie A und begebe mich zum Hotel, das in
einem ruhigeren Stadtviertel unweit der Piazza Bologna liegt. Große, geräumige
und moderne Zimmer erwarten mich hier. Wieder ein Italien-Klischee, was hier
nicht hinpasst, denn kleine Zimmer, in denen man Schwierigkeiten hat sich
umzudrehen, gibt es hier nicht.
Nachdem das Thema Unterkunft erledigt ist, geht es auf den
zentralen Platz Roms, zum Zentrum der Stadt. Moment mal, so leicht ist das gar
nicht mit einem Zentrum in Rom. Rom ist aufgespalten in diverse Zentren. Am
besten trifft es wohl ein deutschsprachiger Reiseführer. Er spricht von einem
„christlichen Rom“, einem „antiken Rom“ und einem „mittelalterlichen Rom“.
Diese Drei-Teilung kann man gut für Rom übernehmen. Zentrum des „christlichen
Rom“ ist die Vatikanstadt, die eigentlich gar nicht ein Teil von Rom ist,
sondern ein eigener Staat (so nebenbei auch noch der Kleinste) ist. Aber da die
Staatsfläche des Zwergenstaats überschaubar ist, kann man sie locker auch zu
Rom rechnen.
Das Zentrum des „antiken Roms“ ist das Foro Romano, das für Jahrhunderte als Herrschaftssitz und sozusagen als Herz des Römischen Reiches galt. Hier residierten Nero, Caesar und viele weitere der größten Imperatoren des Römischen Reiches. Heute tummeln sich auf den Resten der einstigen Machtzentrale Touristen aus ganz Europa, aus Japan, aus den USA und aus Lateinamerika.
Nicht weit
entfernt befindet sich mit dem Piazza Navona das Zentrum des „mittelalterlichen
Roms“, das einen starken Kontrast zu den ersten beiden Zentren darstellt. Hohe,
bunte Häuser, befinden sich ringsum diesen Platzes, der immer bevölkert ist,
nicht nur von Touristen, sondern auch von Einheimischen, die das besondere
Flair dieses Platzes schätzen. Die vielen Künstler runden das Bild ab, ein
wahrer italienischer Platz ist er, der Piazza Navona.
| An ihm führt in Rom kein Weg vorbei: Der Petersdom |
Ob
Petersplatz, Foro Romano oder Piazza Navona – es ist die Vielseitigkeit, die
Rom so besonders macht. Normalerweise hat eine Stadt eine gewisse Prägung,
einen einheitlichen Stil, der sich durch die ganze Stadt zieht. Wien steht für
Habsburger und Barockbauten, Paris für den Eifelturm und die typische
französische Bauweise, Amsterdam für seine Grachten und kleinen, braunen
Häusern. Rom aber hat nicht nur einen Stil, die Stadt hat viele
unterschiedliche Gesichter und zeigt sich in jedem Stadtteil von einer anderen
Seite.
Um die
verborgenen Seiten Roms zu erleben muss man oft in diese Stadt kommen, denn es
ist schlichtweg unmöglich sie alle kennenzulernen. Man muss sich der Stadt aus
unterschiedlichen Blickwinkeln nähern, um den Reichtum der unterschiedlichen
Stile und der langen Geschichte besser zu verstehen und zu erleben.
Ein
besonders schöner Platz um Rom zu „fühlen“ ist von oben. Aus der Vogelperspektive
ist es überall einfacher, die Lage zu überblicken, sich ein Bild zu machen. So
ist es auch in Rom, wenn man sich wie ich bei meiner Reise auf das Dach des „Monumento
a Vittorio Emanuele I“ begibt.
Es ist kurz
vor 18:00, die Sonne steht etwas tiefer und taucht die ganze Stadt in ein
eigentümliches Licht, alles wirkt entspannt, ruhig und ausgeglichen. Rom liegt
unter einen, die engen Gassen und Straßen der Stadt, die voll mit motorini, den
Mopeds sind, Autos, Fußgänger. Der Blick reicht aber nicht nur über die Dächer
Roms, sondern weit in das Land Latium „Lazio“ hinein, bis zu den Bergen im
Norden der Stadt, die wie eine Kulisse das einzigartige Panorama abrunden.
| Über den Dächern Roms am Vittorio Emanuele-Denkmal |
Nach nicht
einmal 4 Stunden bin ich wieder voll im römischen Leben und genieße jede
Sekunde davon.
Ein
besonderer Geburtstag
Ein kleiner
Lichtkegel durchströmt das kleine Zimmer und ganz in der Ecke sieht man auch
einen Sonnenstrahl, der den Weg durch die Vorhänge gefunden hat. Etwas
durcheinander wache ich auf. Im ersten Moment nachdem man die Augen
aufgeschlagen hat, denkt man mal an gar nichts. Doch dann, wenige Sekunden
später, durchfährt es einen, wie als hätte man in einer Quizshow gerade die
richtige Antwort auf die Millionenfrage gefunden: „Ich bin ja in Rom! „
Vorhang auf
die Seite, die Sonne strahlt, die kleine Straße liegt ruhig wie immer vor
einen. Aufwachen in Rom ist etwas Besonderes, es ist anders als zuhause, wo
gleich Verpflichtungen, Termine und sonstiges drohen. Doch nicht hier. Die Zeit
steht still und es liegt in meiner Hand, was aus diesem Tag wird. Und heute ist
nicht irgendein Tag, sondern mein Geburtstag. Geburtstag in Rom. Gut, ich habe bereits meinen Geburtstag in
Paris verbracht, aber Rom, das toppt alles je dagewesene. Und dieser Tag, er
gehört ausgenutzt. Also geht es erstmal auf die Terrasse des Hotels in den 5.
Stock, um schon mal gut in den Tag hinein zu starten mit einem ausgiebigen
Frühstück, das auch außergewöhnlich ist, denn meine Salame und meinen
Prosciutto kann ich auch zu hause essen, doch den Blick über die Dächer Roms
kann man so schnell nicht nachbilden. Nachdem ich mich hier gestärkt habe, geht
es nun in den Trubel der Millionenstadt. Ich verlasse das Hotel, der warme
Sommerwind schlägt mir ins Gesicht und mit einem Klick aktiviere ich die Musik auf
meinem Smartphone.
| "Urbi et Orbi" - der schönste Platz, um Rom zu bewundern. Amen. |
Wie beim Aufwachen und Frühstücken verhält es
sich auch mit den Musik hören – es ist überall entspannend, aber niemals so
schön als in Rom. Ich schreite die
lange, gerade Straße entlang, begleitet von Neffa, der bei „Dove Sei“ („Wo bist du?“) von seiner
Liebsten singt, die gerade nicht da ist – für mich sollte der Song später eine
meiner Hymnen von und über Rom werden. Es geht vorbei am kleinen Cafe am
Kreisverkehr, an der Bäckerei, aus der der Duft von frischen panini strömt und
immer mehr in Richtung Metrostation. Musik hören in öffentlichen
Verkehrsmitteln hat etwas, es ist beispielsweise wunderbar entspannend seinen
Lieblingssongs zu lauschen, während die Landschaft im Zug vorbeibraust. Obwohl
die römische Metro eher mit grauen Wänden als mit schönen Landschaften punktet,
ist das Musik hören in der Metro etwas schönes, etwas Besonderes.
| Markt am Campo de Fiori |
Ich steige
aus, gehe durch die Metrostation und betrete wieder das Tageslicht – und wieder
ist sie da diese Luft, dieses Licht, diese Sonne, alles, wirklich alles ist
intensiver und wirkt schöner und
intensiver.
Es ist die
Ruhe vor dem Sturm, bevor ich mit Freunden meinen Geburtstag ordentlich feiern
werde. In Rom bei Prachtwetter. Doch noch bin ich alleine unterwegs und erledige
noch einige Einkäufe.
Um 13:00 ist es dann soweit, in Termini trifft ein Freund aus Milano/Mailand ein. Er kommt an und sagt, wir müssen mal nach Fiumicino, weil sein reserviertes Mietauto steht dort zum Entnehmen bereit und nicht wie ich gedacht hätte hier am wichtigsten römischen Bahnhof. Es gibt viele Wege, die nicht nach Rom, sondern auch nach Fiumicino, etwa 25 km westlich von Rom, führen. Es gibt eine Busverbindung, Bahnverbindungen. Aber, nein, wir nehmen natürlich die teuerste Fortbewegungsmöglichkeit und zwar das Taxi. Gegen meinen Willen steigen wir ein in dieses kleine, weiße Auto, das uns nun die 25 km nach Fiumicino bringen wird und dessen Fahrer dafür wohl horrende Summen verlangen wird. Auch im Auto macht Rom eine tolle Figur, vorbei an den ganzen wichtigen Monumenten geht es rasch auf den GRA, den Grande Raccordo Annulare, den römischen Stadtumfahrungsring und dann sind wir auch bald in Fiumicino, wo nach der Bezahlung von lächerlichen 55 Euro, das Mietauto wie vereinbart wartet. Voller Freude auf den Tag geht es dann in Richtung Mietautofirmenecke im Flughafen, an der alle Unternehmen, die Mietautos vermieten, ihre Büros haben. Bereits diese zu finden ist eine Herausforderung für sich, weil die irgendwo im obersten Eck von Fiumicino stehen und nicht wirklich sonderlich gut ausgeschildert sind.
Um 13:00 ist es dann soweit, in Termini trifft ein Freund aus Milano/Mailand ein. Er kommt an und sagt, wir müssen mal nach Fiumicino, weil sein reserviertes Mietauto steht dort zum Entnehmen bereit und nicht wie ich gedacht hätte hier am wichtigsten römischen Bahnhof. Es gibt viele Wege, die nicht nach Rom, sondern auch nach Fiumicino, etwa 25 km westlich von Rom, führen. Es gibt eine Busverbindung, Bahnverbindungen. Aber, nein, wir nehmen natürlich die teuerste Fortbewegungsmöglichkeit und zwar das Taxi. Gegen meinen Willen steigen wir ein in dieses kleine, weiße Auto, das uns nun die 25 km nach Fiumicino bringen wird und dessen Fahrer dafür wohl horrende Summen verlangen wird. Auch im Auto macht Rom eine tolle Figur, vorbei an den ganzen wichtigen Monumenten geht es rasch auf den GRA, den Grande Raccordo Annulare, den römischen Stadtumfahrungsring und dann sind wir auch bald in Fiumicino, wo nach der Bezahlung von lächerlichen 55 Euro, das Mietauto wie vereinbart wartet. Voller Freude auf den Tag geht es dann in Richtung Mietautofirmenecke im Flughafen, an der alle Unternehmen, die Mietautos vermieten, ihre Büros haben. Bereits diese zu finden ist eine Herausforderung für sich, weil die irgendwo im obersten Eck von Fiumicino stehen und nicht wirklich sonderlich gut ausgeschildert sind.
Bald
gefunden, gibt es dann doch noch Hindernisse am Weg zum gewünschten Auto.
Max, der
Freund aus Bergamo, hat alles ordnungsgemäß erledigt. Doch wer glaubt, in
Italien ist alles locker und geht ja „irgendwie“ nach dem „Dolce fa niente“-Prinzip,
der wird spätestens an diesem Bürotisch am römischen Flughafen eines Besseren
belehrt. Italienische Unternehmen können extrem nervig und pingelig sein.
Reservierung ist vorhanden, erledigt in Bergamo bei einer weiteren
Niederlassung. Alles ok, doch die angegebene Kreditkarte wird nicht akzeptiert.
Auf Kompromisse lässt sich dieser Angestellte nicht ein. Es hilft nichts, egal
ob Max betont, dass es doch in Bergamo immer so funktioniert, dass er eine
Baranzahlung macht – keine Chance, der Angestellte macht uns klar: Keine
Kreditkarte, kein Auto. Basta.
| "Finalmente una macchina" - Und dann ist es auch noch ein Deutsches! Als Österreicher mit deutschen Auto durch Italien fahren - Mamma mia! |
Nun ziehen
wir weiter, etwas ratlos, was wir nun machen sollen. Kein Auto, bedeutet
weniger Fortbewegung, bedeutet, dass wir heute, an meinem Geburtstag kaum etwas
unternehmen können. Doch wie immer findet sich in Italien eine Lösung: Eine
andere Mietautofirma, zwei Bürotische weiter, akzeptiert die Kreditkarte und
innerhalb von 5 Minuten ist ein Auto unser. „vaffanculo“ denken wir uns in
Richtung des ersten Mietautounternehmen, was das heißt, bleibt mal unübersetzt
;)
Nachdem wir
das Auto in Besitz genommen – ein Ford mit Wiesbadener Kennzeichen – geht es
raus, raus aus dem künstlich beleuchteten Flughafen und rein ins sonnenverwöhnte
Latium. Von Fiumicino sind es nur 10 km ans Meer, es ist Sommer und daher entschieden
wir uns kurzfristig, einen Abstecher ans Meer zu unternehmen. In Lido di Ostia,
den Lieblingsbadestrand der Römer, war natürlich viel los. Doch hier zeigt sich
das „Dolce Vita“ in seiner Reinform: Eisverkäufer, alle Generationen versammelt
auf einen goldenen Strand, in der Ferne das Meer, die Sonne, wolkenloser
Himmel. Italien, wie man es sich vorstellt. Vergessen die
Mietautoschwierigkeiten, die schönen Seiten Italiens zu genießen, kann einen in
diesem Land so leicht fallen.
| Lido di Ostia - Italien im Sommer |
Doch wenn es
am Schönsten ist, sollte man natürlich auch aufbrechen und nachdem wir uns
etwas dem „Dolce Vita“ hingegeben haben, ging es nun wieder um Historisches:
Wir fuhren 4 km landeinwärts nach „Ostia Antica“, wo vor über 2000 Jahren eine
bedeutsame Stadt sich ausgebreitet hatte. Die Reste der Stadt sind heute noch
erstaunlich gut erhalten und daher einen Topsehenswürdigkeit jedes
Romtouristen. Obwohl es Hochsaison war, gab es kaum Touristen an diesen späten
Nachmittag. Ein angenehmer Spaziergang durch die Geschichte, beschattet von
Pinienbäume, die ihren wunderbaren Geruch nach Süden, nach Italien und nach
Meer, verbreiteten. Vor dem geistigen Auge erstehen die ganzen alten Momumente
noch einmal auf, ziehen die Römer ihre Wägen mit Waren aus allen Winkeln des
Riesenreiches, durch die Gassen von Ostia.
Das schönste
an Ostia Antica sind aber die Pinien, mit jeden Windstoß atme ich den Duft ein,
genieße die Sonne im Gesicht und schließe diesen Moment ganz tief ein, für
kühle Wintertage, wo der Sommer wieder meilenweit entfernt erscheint.
| Pinien & Geschichte in Ostia Antica |
Etwas später, es nahte bereits der Sonnenuntergang, machten wir uns auf und überlegten wohin wir noch gehen könnten. Abendessen in Rom, das war klar, aber da man in Italien erst später isst, blieb noch etwas Zeit, um die Landschaft zu entdecken. Wir entschieden uns schlussendlich für Castel Gandolfo, der Sommerresidenz des Papstes. Sie steht südöstlich von Rom oberhalb eines Sees, etwas erhöht auf einen Hügel. Wir fahren also in unseren Ford mit deutschem Kennzeichen über die Straßen, unter anderem auch über die Via Appia, die aber in diesem Abschnitt eine hässliche, vierspurige Schnellstraße ist, und erreichen gerade rechzeitig vor dem Sonnenuntergang die altehrwürdige Stadt Castel Gandolfo. Wie überall in Italien ist abends in den Gassen und Straßen immer etwas los. Nicht wie die Nordlichter, die sich gegen 20:15 vor dem Fernseher verkriechen, um irgendeine Serie ja nicht zu verpassen. Die Italiener leben auf den Straßen, auf den Gassen und Plätzen. So auch in Castel Gandolfo, alle Geschäfte sind offen und eine kleine, nette Stadt, umgeben mit einer Stadtmauer liegt vor uns.
Doch bevor
wir uns diese genau ansehen, ist unser Blick Richtung Westen gerichtet. Immer
kleiner wird da am Horizont die Sonne, zuerst noch stark, wird sie immer mehr
zu einem kleinen, roten Ball, der langsam vom Himmel absinkt. Kurz bevor die
Sonne untergeht, bestrahlt sie jedoch noch das Land unter Castel Gandolfo mit
einem einzigartigen Farbton, wie ich ihn nur rund um Rom erlebt habe. Die Äcker
und Städte, in der Ferne die Metropole Rom, leuchten noch einmal in allen
Farben auf, ehe sich der Schatten der beginnenden Dämmerung über das
geschichtsträchtige Land legt.
| Die belebten Gassen von Castel Gandolfo |
Zu dieser
einzigartigen Kulisse stoßen wir nun an. Mit Limoncello, ein sehr gutes, typisch italienisches Zitronenlikör aus Sorrento.
Dazu essen wir biscottini, Kekse. Zugegeben, die Mischung und auch Limoncello
ist sonderbar, aber zusammen mit diesen Blick über die untergehende Sonne über
Latium, ergibt es einen einzigartigen Abend, den man so schnell nicht vergisst.
Nachdem auch
der letzte Sonnenstrahl verschwunden ist, besichtigen wir die kleine Stadt, die
sich auf ein Konzert vorbereitet. Die Menschen sind überall, auf den Plätzen,
in den Gässchen, in den Geschäften. Der kleine, nette Ort wirkt wie herausgeschnitten
aus einem deutschen Reisekatalog, der potenzielle Kunden für Italien gewinnen
will. Mehrmals will man wie ein Bild, einfach alles zur Seite schieben, da man
es gar nicht glauben kann, wie schön diese Kulisse ist. Doch es geht nicht, es
ist real. Die Schönheit Italiens findet sich in solch kleinen Städtchen wieder,
wo Italien, wie man es sich vorstellt, tagaus, tagein besteht.
Wir
verlassen nun die Idylle und kehren auf der immer noch sehr vollen Via Appia
zurück nach Rom, genauer ins Viertel „Testacchio“, da sich hier besonders
angesagte und gute Restaurants befinden sollen, wie ein Freund von Max, der
beim landesweiten italienischen Radiosender „RTL 102.5“ arbeitet, mitgeteilt
hat. Es ist bereits kurz nach halb zehn,
in Österreich würde man vor jeden Gasthaus wohl auf geschlossene Türen stoßen, und
eine kleine, dickliche Kellnerin würde mürrisch „Sperrstund“ rufen, doch wir
sind hier in Italien, wo Essen das Wichtigste auf der Welt ist und
dementsprechend zelebriert wird. Und in Italien ist halb zehn durchaus normal
zum Abendessen und genau so ist es auch an diesem Abend. Der Kellner begleitet uns zu einen Tisch und
wir erhalten die Karte, das menù wie man auf Italienisch sagt. In diesem Lokal
gibt es keine fixe Karte, sondern lediglich ein Stück Papier, auf dem all die
Speisen gedruckt sind, die es heute gibt. Tag für Tag wird diese Karte
ausgetauscht und durch andere Gerichte ersetzt, ein klarer Tipp, dass es sich
um einen „Insider-Tipp“ handelt. Ein weiteres Indiz sind die vielen
Einheimischen, die die Gaststätte füllen. Auf Anraten meines Freundes probiere
ich „Spaghetti Cacio e pepe“, eine römische Spezialität, nachdem wir ein großes
„antipasti“ mit „Mozzarella di Bufala“, „Prosciutto di Parma“ und weiteren
Köstlichkeiten, verdrückt haben. Es folgen noch ein Hauptgericht und ein
Dessert. Danach fragte ich Max, ob es in Italienisch ein Wort für „total voll“
gab, er antwortete nur, nein, sowas gibt es nicht, dazu sei das Essen ja zu
gut, man könne ja nicht einfach aufhören zu essen ;)
Irgendwie
schafften wir es dann noch zum Auto und es war nun bereits nach 01:00.
Schlafen, nein, noch nicht. Man ist doch nur einmal am Geburtstag in Rom. Also
nehmen wir Kurs auf San Pietro, auf den Petersplatz. Wir parken direkt am
großen, weltberühmten Platz und bewundern die beleuchtete Peterskirche. Vom
Petersplatz marschieren wir durch das nächtliche Rom, vorbei an der Engelsburg
und durch die engen, typisch römischen Gassen in Richtung „Piazza Navona“, wo
wie immer noch einiges los ist. Die warme Luft des Sommers ist immer noch da,
als ich vor dem weltbekannten Brunnen stehe und noch einmal diesen tollen
Geburtstag Revue passieren lasse. Am Morgen Frühstück über den Dächern Roms, zu
Mittag im Stadtzentrum, am Nachmittag am Strand, Abends zuerst in einem
mittelalterlichen Städtchen, dann ein typisch römisches Festessen und dann als
krönender Abschluss durch das nächtliche Rom – das Leben kann so schön sein.
| Schöner Abschluss eines Tages - Fontani di Trevi tief in der Nacht |
Alles geht
zu Ende, so auch diese Reise. Nachdem tollen Geburtstagstag gibt es noch einige
Stunden Gnadenfrist, bevor es wieder in Richtung Österreich und damit in
Richtung Norden geht. Am frühen Nachmittag sollte ich mich mit meinen Begleiter
aus Österreich treffen, der etwas früher als ich am Vormittag aufgebrochen war,
damit wir noch etwas unternehmen können. Als Treffpunkt habe ich „San Giovanni
in Laterano“ mit nettem Park davor auserkoren. Ich komme an und setze mich auf
eine der Parkbänke direkt vor der mächtigen Kirche und höre wieder Musik, während
ich auf meinen Begleiter warte. Doch die Stunden vergehen und er taucht nicht
auf. Aber in diesem Moment ist mir das gerade Recht. In meinem Ohr die Musik,
die ich die letzten Tage im Radio gehört habe, um mir die vielen Touristen, die
hastig in die Kirche und wieder hinaus rennen und die warme Sonne, die mir auf
das Gesicht scheint. Ich schaue in den
blauen Himmel, als Neffa wieder „Dove Sei“ in meinem Ohr von sich gibt.
Plötzlich ein Windstoß und der einzigartige Duft der Pinienbäume weht mir
direkt um die Nase, die warme Sommersonne, der Geruch nach Pinien und Neffa im
Ohr, es ist der Moment, an dem ich Rom in mich aufnehme, indem ich diesen Moment
des Sommers, der mediterranen Luft verinnerliche und konserviere. An dem ich
noch einmal an das Erlebte in Rom zurückdenke und jetzt, nachdem sich Besuch 4
zu Ende neigt, die Stadt und die Region noch tiefer in mein Herz schließe.
| Hmm, tja... |
Etwas
niedergeschlagen betreten wir den Nachtzug der DB-ÖBB, der uns nun wieder
zurück nachhause bringen wird. Es gibt Probleme mit der Reservierung, das
Abteil ist zum bersten Voll, die Klimaanlage fällt aus, doch das alles ist in
mir in diesen Moment egal. Ich schließe die Augen, lehne mich zurück, höre
wieder Neffa, der nun passend „Dove Sei?“ singt, und vor meinen geistigen Auge
erstrahlen wieder die römischen Gebäude in der Abendsonne, in meiner Nase spüre
ich wieder den Geruch der Pinien und ich schwöre mir, so schnell es nur möglich
ist, wieder in diese einzigartige Stadt zurückzukehren.
Musik zu Rom - "Neffa - Dove Sei"
Musik zu Rom - "Neffa - Dove Sei"
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